Europäische Kommission veröffentlicht Studie zu Kohleregionen

Der wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission hat eine Studie zur Zukunft der Kohleregionen der EU vorgelegt. Diese geht von erheblichen Arbeitsplatzverlusten im Kohlesektor bis 2030 aus. Deutschland gehört zu den am stärksten betroffenen Ländern, so die Autoren.
Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission hat am 31. Juli eine Studie mit dem Titel "EU Kohleregionen: Chancen und Herausforderungen" veröffentlicht.
Die Autoren erwarten, dass EU-weit etwa 160.000 Arbeitsplätze in Kohlekraftwerken und im Kohlebergau verloren gehen könnten. 
Zwischen 2015 und 2020 wird v. a. mit 27.000 Jobverlusten im Bergbau gerechnet. Nach 2020 bis 2030 wird aufgrund von Kraftwerksschließungen ein Verlust von 160.000 Stellen erwartet (77.000 bis zum Jahr 2025). Zwei Drittel der Kohlekraftwerke in der EU mit einer Leistung von 100 GW könnten aufgrund geltender Emissionsstandards und steigenden CO2-Preisen bis 2030 vom Netz gehen.
Die Berechnungen basieren auf Prognosen der europäischen Verteilnetzbetreiber und den nationalen Übergangsplänen (Transitional National Plans), die die Mitgliedsstaaten im Rahmen der Industrieemissions-Richtlinie vorlegen. 
Aktuell sind nach Schätzungen der Kommission 53.000 Menschen in 207 Kraftwerken in 21 Mitgliedsstaaten beschäftigt (in Deutschland 10.900), im Kohlebergbau 185.000 (in Deutschland 24.700). Indirekt hängen noch einmal zusätzlich 215.000 Jobs von der Kohle ab (in Deutschland 48.500). 16 % des Bruttoenergieverbrauchs der EU wird durch Kohle abgedeckt. 24 % der Stromproduktion der EU stammt aus Kohlekraft. 
Die gemeinsame Forschungsstelle mahnt an, die Restrukturierung der betroffenen Regionen strategisch und schrittweise anzugehen. Besonders der Energiesektor eigne sich für die Schaffung neuer Arbeitsplätze, beispielsweise durch Investitionen in den Bereichen Solar- und Windenergie, aber auch Großspeicher. Letztere böten auch Beschäftigten des Kohlesektors die Möglichkeit, durch Umschulungen ihre Kompetenzen in Sachen Elektronik und Mechanik einzubringen. 
Bewertet wurden in der Studie auch die Potenziale für die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff (CCS). Europaweit bestünden hier bei den Kohlekraftwerken im Regierungsbezirk Düsseldorf technisch die größten Möglichkeiten. 
Die Europäische Kommission hat Ende 2017 die sogenannte "Coal Regions in Transition Platform" gegründet, um betroffene Regionen bei der Bewältigung des Strukturwandels zu unterstützen.