Großbritannien - Informationen zum Brexit

IHK-Ansprechpartner

Zum Thema Brexit stehen Ihnen bei der IHK Chemnitz verschiedene Ansprechpartner zur Verfügung. Die Kontaktdaten finden Sie auf der rechten Seite. Alternativ können Sie uns Ihre Fragen zum Brexit per E-Mail an brexit@chemnitz.ihk.de übermitteln.

Brexit Stichtag

Das Vereinigte Königreich hat vor zwei Jahren  dem Europäische Rat seine Austrittsabsicht übermittelt.  Es war nicht gelungen, rechtzeitig vor dem ursprünglichen Austrittstermin, dem 29.03.2019, ein Austrittsabkommen auszuhandeln bzw. zu ratifizieren. Am 10. April 2019 hat der Europäische Rate einer Fristverlängerung zugestimmt, die eine Ratifizierung des Austrittsabkommens ermöglichen soll.
“Diese Verlängerung sollte nur so lange wie nötig dauern und keinesfalls über den 31. Oktober hinausgehen. Wenn beide Parteien das Austrittsabkommen vor diesem Termin ratifizieren, erfolgt der Austritt am ersten Tag des folgenden Monats.”

Austritt mit Abkommen und Übergangsphase

Wird das vorliegende Austrittsabkommen bis zum Stichtag angenommen, schließt sich eine Übergangsphase bis zum 31. Dezember 2020 an. Eine Verlängerung dieser Übergangszeit ist möglich.Änderungen treten für Unternehmen in diesem Fall bis zum Ablauf der Übergangsfrist voraussichtlich nicht ein. In der Übergangsphase wird über ein Abkommen verhandelt, dass die künftigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU regelt. Eine erste  politische Erklärung zu den künftigen Beziehungen wurde auf der Webseite der Europäischen Kommission veröffentlicht.

No-Deal-Brexit

Im Falle eines No-Deal-Szenarios bedeutet dies, Waren- und Dienstleistungsverkehr unterliegen automatisch den WTO-Regeln. Listen (sogen. Schedules) legen für jedes Land (WTO-Mitglied) Zölle und Quoten für Einfuhren aus anderen Ländern fest. Soweit der Handel Großbritanniens aktuell (also vor dem Brexit) mit anderen Staaten auf Basis von WTO-Regeln erfolgt, erfolgt dieser als Teil der EU. Für den No-Deal-Brexit hat die britische Regierung einen eigenen “UK Goods Schedule” sowie einen “UK Service Schedule” vorbereitet und bei der WTO eingereicht. Beide Entwürfe sollen ausländischen Unternehmen im Prinzip den gleichen Zugang zu britischen Markt für Waren und Dienstleistungen garantieren, wie er aktuell besteht.  

Brexit-Check

IHKs und DIHK haben ein Online-Tool www.ihk.de/brexitcheck  entwickelt, welches anhand von 18 Themenfeldern Orientierung bietet, wie sich die Unternehmen auf den Brexit (ob mit Abkommen oder für den Fall eines No-Deal) vorbereiten können. Das Tool wird kontinuierlich überarbeitet und erweitert. Erstellen Sie sich Ihre persönliche Brexit-Checkliste und prüfen Sie, welche Geschäftsabläufe in Ihrem Unternehmen vom Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU betroffen sind.

Warenverkehr/Zoll

Ab dem Zeitpunkt des Austritts aus der EU ist das Vereinigte Königreich für Zollzwecke als Drittland zu behandeln.  Das betrifft Warenlieferungen in das/oder aus dem Vereinigten Königreich. Somit sind künftig Zollformalitäten zu beachten und eine zolltechnische Abfertigung der Warenlieferungen notwendig. Auf der deutschsprachigen Webseite der Generaldirektion Steuern und Zoll der Europäischen Union werden eine Reihe von Leitfäden für ein No-Deal-Szenario Online gestellt:
Weitere Informationen erhalten Sie zudem hier:
Soweit Sie sich bislang noch nicht mit dem Export in Drittländer beschäftigt haben, erhalten Sie grundlegende Informationen auf unseren Internetseiten zu
oder lassen Sie sich von den verantwortlichen Kollegen beraten. Die Kontaktdaten finden Sie auf der jeweiligen Internetseite.

Zollabfertigung an den französischen Grenzzollstellen zum Vereinigten Königreich

Der französische Zoll hat über seine Vorbereitungsmaßnahmen für die Gewährleistung einer möglichst reibungsarmen Zollabfertigung an seinen Grenzzollstellen zum Vereinigten Königreich  informiert.  So soll das eigens für den Brexit entwickelte „Smart Border“-Konzept eine größtenteils automatisierte, elektronische Zollabfertigung ermöglichen. Dieses System kommt an acht französischen Seehäfen sowie dem Eurotunnel zum Einsatz und gilt für die Zollabfertigung von LKW-Güterverkehr (nicht für den Schienengüterverkehr). Die Zollverwaltung in Frankreich setzt vor allem darauf, dass Zollanmeldungen bis spätestens 1 Stunde vor Ladung der LKW auf Fähren/Euro-Tunnelzüge elektronisch eingereicht werden. Hierzu werden auf Grundlage der Zollanmeldungen über das neu geschaffene IT-Interface „SI Brexit“ Barcodes erstellt, die helfen sollen, das Abfertigungsprozedere gezielt zu steuern. Hauptziel ist es, unter Wahrung der zollrechtlichen Bestimmungen des Unionszollkodex einen möglichst reibungsarmen Abfertigungsverlauf zu gewährleisten. Das System ist aktuell nur für die Zollabwicklung mit den französischen Hafenbetreibern und Zollstellen konzipiert. Eine Abstimmung mit den britischen Behörden fand bislang nicht statt.
Präsentation des General Directorate of Customs and Excise “BREXIT-Smart Border”

Hinweise für Transportunternehmen und Berufskraftfahrer

Das britische Verkehrsministerium hat Hinweise auf erforderliche Dokumente für Transportunternehmen und Fahrer für den Fall eines Austritts des Vereinigten Königreichs ohne Abkommen veröffentlicht:
“Transportunternehmen und Berufskraftfahrer, die zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU unterwegs sind, werden neue Dokumente benötigen, falls das Vereinigte Königreich die EU ohne Abkommen verlässt. Eine vollständige Liste dieser Dokumente finden Sie auf gov.uk/brexit-hauliers. Laden Sie auch unser Handbuch für Transportunternehmen und für Fahrer herunter.” Das Ministerium stellt zudem Online einen “Driver Pocket Guide” mit Informationen zum RORO-Transport in deutscher Sprache zur Verfügung.

Mitarbeitereinsatz im Vereinigten Königreich

Unternehmen, die ihre Mitarbeiter für die Erbringung von Dienstleistungen ins Vereinigte Königreich entsenden, sollten beachten, dass nach dem Brexit die Entsenderichtlinie dort keine Gültigkeit mehr besitzt. Das Grundrecht der Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt nur in Mitgliedstaaten der EU. Für den Aufenthalt und eine Tätigkeit im Vereinigten Königreich sind, insbesondere wenn kein Austrittsabkommen ratifiziert wird, ab diesem Zeitpunkt die nationalen Regelungen  bzw. die WTO-Regeln zu beachten. Gegebenenfalls werden Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis benötigt, der Zugang zu Markt für bestimmte Dienstleistungen beschränkt. Das zuständige britische Ministerium hat mitgeteilt, dass im Fall eines No-Deal Brexit EU-Bürger für einen Übergangszeitraum mit ihrem Personalausweis einreisen und und sich für maximal drei Monate im Vereinigten Königreich aufhalten und arbeiten können. Eine Verlängerung bis auf 36 Monate soll möglich sein.
Besonderes Augenmerk beim Mitarbeitereinsatz im Vereinigten Königreich sollte der Frage der Sozialversicherung gelten. Die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA) hat dazu auf ihrer Internetseite Ausführungen zur Sozialversicherung im Fall eines geordneten bzw. ungeordneten Brexit veröffentlicht.

Im- und Export von Chemikalien

Verlässt das Vereinigte Königreich die EU ohne Austrittsabkommen (No Deal), werden nach Auskunft des REACH-CLP-Biozid Helpdesk die REACH-Registrierungen von Herstellern, Importeuren und Alleinvertretern im Vereinigten Königreich, die nicht rechtzeitig auf EU/EWR-ansässige Rechtspersonen übertragen wurden, ungültig. Betroffene Unternehmen und nachgeschaltete Anwender (Lieferkette mit Ursprung im Vereinigten Königreich) von chemischen Stoffen sollten sich daher rechtzeitig informieren.  Dazu hat die ECHA (Europäische Chemikalienagentur) eine Liste von aktuell 750 Stoffen zusammengestellt, die alle ausschließlich von britischen Unternehmen registrierten Stoffe enthält. Bei diesen Stoffen sollten Anwender prüfen, ob ein Transfer der Registrierung geplant ist. Um keine Versorgungsengpässe zu erleiden, müssen andernfalls diese Unternehmen die entsprechenden Stoffe als Importeur registrieren. Alternativ kann ein vom nicht-EU-Unternehmen bestellter Alleinvertreter die Registrierungspflicht übernehmen. Für die ca. 3000 Stoffe, die sowohl im vereinigten Königreich als auch in anderen EU/EWR-Mitgliedsstaaten registriert sind,  empfiehlt der Helpdesk nachgeschalteten Anwendern rechtzeitig zu einem EU/EWR-ansässigen Lieferanten zu wechseln.
Informationen der Europäische Chemikalienagetur (ECHA) in englischer Sprache zu den Auswirkungen des Austritts des Vereinigten Königreichs “How will the UK withdrwwal affect you?”  und für den fall eines No-Deal-Szenarios “Act now to stay on the EU market after the UK’s withdrawal”.

Auswirkungen des Wegfalls von EU-Recht

Die Europäische Kommission hat auf der Internetseite “Mitteilungen zur Vorbereitung auf den Brexit” zu den wichtigsten Themen Hinweise erarbeitet,  um Unternehmen für mögliche durch den Brexit entstehende Änderungen in diesen Bereichen zu sensibilisieren. Die britische Regierung stellt auf ihrer Internetseite Informationen im Zusammenhang mit einem No-Deal-Brexit zur Verfügung. Unternehmen sollten die Entwicklungen in diesen Bereichen verfolgen und prüfen, ob bestehende Verträge oder geschäftliche Aktivitäten von der Änderung rechtlicher Grundlagen für diese Bereiche betroffen sind.

Veranstaltungen

10.10.2019WebinarBrexit: Wohin steuert die Wirtschaft? Branchenentwicklungen und Fallbeispiele deutscher Unternehmen
06.11.2019WebinarBrexit-Update 5
28.11.2019DresdenIst mein Unternehmen reif für die Insel(n) trotz Brexit?

Weiterführende Informationen

Schreiben des Bundesministerium der FinanzenUmsatzsteuer; Konsequenzen des Austritts des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland aus der EU
Brexit-NewsMonatlicher Newsletter des Deutschen Industrie- und Handelskammertages mit aktuellen Informationen rund um das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU.
DVKAInformationen der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland DVKA zur Sozialversicherung bei Entsendung ins und Erwerbstätigkeit im Vereinigten Königreich
Brexit-KompendiumThemenbezogene Positionspapiere deutscher Wirtschaftsverbände
Gtai – Brexit SpecialGermany Trade & Invest informiert regelmäßig über Aktuelles und Hintergründe zu den Brexit-Verhandlungen – mit interessanten Informationen für alle, die am deutsch-britischen Wirtschaftsverkehr beteiligt sind.
Brexit Update der AHK GroßbritannienDeutsch-Britische Industrie- & Handelskammer
Webseite der BundesregierungSeit Anfang des Jahres informiert die Bundesregierung laufend über Neuigkeiten zum Brexit. Für Unternehmen bietet sich die Möglichkeit, mehr über Vorkehrungen der Bundesregierung zum Beispiel beim Thema Limited oder Versicherungen und Steuern zu erfahren.
Deutsche Auslandsvertretung im Vereinigten KönigreichFAQ und Informationen für deutsche Staatsbürger nach dem Referendum
BankenverbandFragen und Antworten zum Brexit für Bankkunden und Verbraucher
Europäische KommissionAusführliche Informationen der Europäischen Kommission zu den Brexit-Verhandlungen
Britische RegierungAusführliche Informationen der britischen Regierung zum Brexit