Neu: AHK-Finanzierungsexperten in VAE, Kenia und Singapur

Unternehmen, die weltweit tätig sind, signalisieren seit einiger Zeit einen stärker werdenden Beratungsbedarf zu Exportkreditgarantien vor Ort. Die meisten mit Deutschland im Wettbewerb stehenden größeren Industrienationen haben auf den Beratungsbedarf ihrer Unternehmen mit dem Aufbau weit verzweigter Netze an Auslandskorrespondenten reagiert. So verfügen beispielsweise die britische, französische und italienische Exportkreditagentur über jeweils fünf bis zehn Büros weltweit. Asiatische Länder haben noch deutlich größere Netzwerke aufgebaut; so sind z.B. die koreanische und die chinesische Exportkreditagentur in jeweils rund 20 Märkten präsent. In Deutschland dagegen werden Exportkreditgarantien bislang ausschließlich durch vom Bund beauftragte Mandatare (Euler Hermes) mit Sitz in Hamburg bearbeitet.
Da die Nähe zu potenziellen Kunden insbesondere zur Erschließung neuer oder Pflege schwieriger Märkte vor Ort immer wichtiger wird, haben deutsche Unternehmen im Bereich der Exportkreditgarantien mangels eines bestehenden Auslandsnetzwerkes einen Wettbewerbsnachteil gegenüber ihren Konkurrenten aus dem Ausland. Die deutsche Wirtschaft hat gegenüber der Bundesregierung wiederholt die Forderung nach Schaffung eines Auslandsnetzwerkes für Exportkreditgarantien formuliert. Diesem Wunsch wird durch eine Verzahnung von AHK-Netz und Exportkreditversicherungsinstrument entsprochen.
Als Pilotprojekt hatte Euler Hermes ab Herbst 2017 einen Mitarbeiter für acht Monate befristet in Dubai an der AHK VAE eingesetzt. Das Pilotprojekt war sehr erfolgreich und wurde von den betroffenen Industrie- und Bankenvertreten und von der AHK als wertvolle Unterstützung der deutschen Exportbemühungen bewertet. Eine dauerhafte und breitere Präsenz im Ausland können die Mandatare aus organisatorischen und haushaltstechnischen Gründen selbst jedoch nicht leisten.
Um die Wettbewerbsbedingungen für deutsche Unternehmen zu verbessern, werden an ausgewählten AHK-Standorten Kompetenzzentren für Exportkreditversicherungen aufgebaut. Ziel des Programms ist eine dauerhafte Erschließung neuer Exportchancen für Unternehmen aus Deutschland oder Unternehmen mit relevanter deutscher Wertschöpfung. Je nach Marktlage soll dies zu einer Steigerung der deutschen Exporte oder zur Sicherung deutscher Marktanteile gegenüber oft aggressiv finanzierter ausländischer Konkurrenz beitragen.
Die Auswahl der Standorte durch das BMWi erfolgte auf Basis einer Analyse des Bedarfs, indem die Bedeutung des jeweiligen Postens als Schlüsselmarkt der deutschen Exportwirtschaft und sein Potential für Neugeschäft bewertet wurde. Über den lokalen bzw. nationalen Markt hinaus wurde auch das Potential des jeweiligen Standorts als regionaler Hub eine wesentliche Rolle spielen. Regionale Finanzierungs-Hubs wurden daher prioritär ausgewählt. Dem Zielmarkt Afrika wird aufgrund seiner politischen Relevanz und der dort bestehenden oft besonders hohen Hürden für geeignete Finanzierungsmodelle eine besondere Bedeutung zukommen.
Zu den Aufgabenbereichen der AHK-Finanzierungsexperten gehören folgende Schwerpunkte:
  • Aufbau von Netzwerken mit potenziellen Bestellern (privat/öffentlich) sowie mit Finanzierungsakteuren (Banken, Investmentfonds, institutionellen Anlegern) vor Ort,
  • Beratung deutscher Exporteure zu den Exportkreditgarantien des Bundes vor und während der Verhandlungen mit den potenziellen lokalen Bestellern, insbesondere die konkrete Verfügbarkeit, die Konditionen und das Verfahren zur Beantragung der Bundesgarantien,
  • Begleitung von Unternehmensvertretern bei Gesprächen mit potenziellen Geschäftspartnern,
  • Vorstellung der Ziele und Mittel der Exportkreditgarantien bei lokalen Bestellern, um die Möglichkeiten und Vorzüge dieser staatlichen Angebote bekannter zu machen,
  • Matchmaking zwischen potenziellen Bestellern, deutschen Exporteuren und Banken, soweit Flankierung mit staatlichen Exportkreditgarantien gewünscht wird,
  • Organisation von Informationsveranstaltungen vor Ort,
  • Mitwirkung an geeigneten Veranstaltungen Dritter, z.B. im Rahmen von Wirtschaftsdelegationen aus Deutschland, des Markterschließungsprogramms des BMWi, örtlicher Messen, Konferenzen und Veranstaltungen,
  • Fortbildung potenzieller Multiplikatoren bei den am Standort oder der Region vertretenen Institutionen aus Deutschland (z.B. AHK, GTAI, GIZ, KFW, Geschäftsbanken etc.) und bei geeigneten lokalen Partnern (z.B. Banken, Industrieverbänden, Behörden etc.),
  • Unterrichtung des Bundes über lokale, exportfinanzierungsrelevante Themen und Entwicklungen, Begleitung bereits gedeckter Geschäfte mit lokalen Bestellern, bei deren Abwicklung Schwierigkeiten auftreten.
Die AHK-Finanzierungsexperten nehmen ihre Arbeit in der AHK VAE am 01.09.2019 sowie in der AHK Singapur und der Delegation Ostafrika am 01.10.2019 auf.
Ansprechpartner sind die AHKs der jeweiligen Region
sowie beim DIHK Yorck Sievers, Referatsleiter Globale Partnerschaften, E-Mail: sievers.yorck@dihk.de