Rückholpflicht im Fernabsatz?

Der EuGH hatte in einem Vorabentscheidungsverfahren u.a. die Fragen zu beantworten, wo im Falle eines Mangels an einem im Fernabsatz erworbenen Gegenstand eine Nacherfüllung stattfinden muss und ob ein Vorschuss auf eventuelle Kosten der Rücksendung zu leisten ist.
Dem Fall zu Grund lag der Verkauf eines Zeltes im Fernabsatz. Dieses war nach Auffassung des Klägers mangelhaft. Im Laufes des gerichtlichen Verfahrens war sodann die Frage zu klären, ob der Käufer das Zelt zurücksenden muss, oder der Verkäufer eine Mangelbeseitigung vor Ort durchführen muss.
Der EuGH entschied zunächst, dass jede Nachbesserung oder jede Ersatzlieferung unentgeltlich und innerhalb einer angemessenen Frist sowie ohne erhebliche Unannehmlichkeiten für den Verbraucher erfolgen muss. Das Merkmal „unentgeltlich“ meint dabei jede finanzielle Forderung des Verkäufers im Rahmen der Erfüllung der Verpflichtung unabhängig davon, ob dies durch eine Nachbesserung oder eine Ersatzlieferung für den vertragswidrigen Gegenstand geschieht, und das den Verbraucher vor drohenden finanziellen Belastungen schützen soll, die ihn in Ermangelung eines solchen Schutzes davon abhalten könnten, seine Ansprüche geltend zu machen.
An welchem Ort der Verbraucher dem Verkäufer ein im Fernabsatz erworbenes Verbrauchsgut zur Herstellung des vertragsgemäßen Zustands bereitstellen müsse, weil er am besten geeignet sei, eine solche unentgeltliche Herstellung des vertragsgemäßen Zustands innerhalb einer angemessenen Frist und ohne erhebliche Unannehmlichkeiten für den Verbraucher sicherzustellen, hänge von den Umständen des Einzelfalls ab.
So könnte in bestimmten Fällen sowohl wegen der Art der Verbrauchsgüter, etwa weil sie besonders schwer, sperrig oder zerbrechlich seien, oder weil im Zusammenhang mit dem Versand besonders komplexe Anforderungen zu beachten seien, als auch wegen des Zwecks, für den ein Durchschnittsverbraucher sie benötige und für den sie möglicherweise vorab aufgebaut werden müssten, ihre Beförderung an den Geschäftssitz des Verkäufers für diesen Verbraucher eine mit den Erfordernissen der Richtlinie unvereinbare erhebliche Unannehmlichkeit darstellen. In anderen Fällen könne dagegen davon ausgegangen werden, dass bei kompakten Verbrauchsgütern, die weder einer speziellen Handhabung noch einer besonderen Transportweise bedürften, die Beförderung an den Geschäftssitz des Verkäufers für den Verbraucher keine erhebliche Unannehmlichkeit darstellen werde.