PM 75 | 01.08.2017

Der Sommer und das Arbeitsrecht

Häufige Fragen bzw. Missverständnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu
Urlaub, Hitzefrei im Büro und Kleiderordnung

Urlaub machen, wenn es mir passt?
Wenn der Urlaub nicht genehmigt wird, fahre ich trotzdem?
Ein Arbeitgeber sollte einen Urlaub nicht grundlos ablehnen. Aber selbst wenn er dies ungerechtfertigt tut, darf der Arbeitnehmer nicht einfach trotzdem in den Urlaub fahren. Damit riskiert der Arbeitnehmer eine Abmahnung oder eine fristlose Kündigung.
Kann der Arbeitgeber bereits genehmigten Urlaub zurücknehmen?
Ein genehmigter Urlaub kann widerrufen werden, wenn eine unvorhersehbare Situation im Unternehmen nach der Bewilligung eingetreten ist, bspw. wenn unerwartet viele Arbeitnehmer (krankheitsbedingt) ausfallen, sodass die Produktion oder der termingerechte Jahresabschluss gefährdet sind.
Das gilt selbst dann, wenn der Arbeitnehmer seinen Urlaub bereits angetreten hat. Allerdings muss der Arbeitgeber in diesem Fall für die anfallenden Kosten (Stornierung, Rückreise) aufkommen.
Darf der Arbeitgeber den Urlaubsantrag ablehnen?
Maßgebend hierfür sind betriebliche Gründe. Hier sind Saisonzeiten (z.B. wegen des Weihnachtsgeschäfts), Betriebsferien oder die Absicherung der Arbeitsfähigkeit durch Vertretungsregelungen zu nennen.
In solchen Situationen kann der Arbeitgeber nicht alle Urlaubswünsche seiner Mitarbeiter erfüllen. Mit Verweis auf derartige betriebliche Gründe darf der Arbeitgeber den Urlaubswunsch für einen bestimmten Zeitraum ablehnen.
Kann der Arbeitgeber die Urlaubstage dem Arbeitnehmer auch auszahlen, statt diese zu gewähren?
Das geht leider nicht. Die Möglichkeit, sich Urlaubstage vom Arbeitgeber auszahlen zu lassen, ist nur gegeben, wenn es wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr möglich ist, den (Rest-)Urlaub zu nehmen. Aber Achtung: Der neue Arbeitgeber hat einen Auskunftsanspruch gegen den Arbeitnehmer, in welchem Umfang diesem durch den bisherigen Arbeitgeber bereits Urlaub gewährt wurde.
Sommerkleidung am Arbeitsplatz?
Sobald die Temperaturen steigen, sinkt oft zeitgleich auch die Anzahl der Kleidungsstücke einiger Arbeitnehmer. Flip-Flops, kurze Hosen oder Röcke und der Verzicht auf Socken sind regelmäßig Streitpunkt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer oder sogar Gegenstand von Abmahnungen.
Die Kleidung eines Arbeitnehmers muss trotz warmer Temperaturen der berechtigten Erwartungshaltung des Arbeitgebers an das äußere Erscheinungsbild des jeweiligen Arbeitnehmers entsprechen. Das gilt insbesondere dann, wenn dem Arbeitnehmer ein bestimmtes äußeres Erscheinungsbild ausdrücklich vorgegeben ist, etwa im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung (Kleiderordnung). Daran hat er sich zu halten. Tut er das nicht, drohen ihm arbeitsrechtliche Konsequenzen, z. B. eben eine Abmahnung. Erst recht darf der Mitarbeiter nicht auf Arbeitsschutzkleidung verzichten.
Hitzefrei im Büro?
In Büroräumen ist das unterschiedliche Temperaturempfinden zwischen Männern und Frauen unterschiedlich ausgeprägt. Ab einem gewissen Punkt sind sich jedoch fast alle einig: Es ist zu heiß!
Aber auch dann besteht kein Anspruch des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin auf Hitzefrei. Vielmehr muss bei einer Lufttemperatur im Arbeitsraum von mehr als 30 °C der Arbeitgeber „wirksame Maßnahmen“ ergreifen. Dies sind:
  • Lüftung in den frühen Morgenstunden
  • Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung
  • Bereitstellen von Getränken
  • Reduzierung des Gebrauches von elektrischen Geräten
  • Lockerung der Bekleidungsregelungen