PM 10 | 07.02.2019

IHK Chemnitz: Konjunktur kühlt sich ab

Das Wachstum wird durch zunehmende Belastungen gedrosselt. Während die regionalen Unternehmen aktuell weiterhin gute Lagebeurteilungen abgeben, flauen die Geschäftserwartungen für die Zukunft spürbar ab. Das sind die zentralen Aussagen der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Chemnitz, an der sich 665 Unternehmen mit rund 32.000 Beschäftigten aus den Wirtschaftsbereichen Industrie, Bau, Handel, Dienstleistungsgewerbe, sowie aus dem Güterverkehrsgewerbe beteiligten.
Diagramm Konkunktur
Die Kauflust der Verbraucher, der Bauboom, Investitionen der Unternehmen sowie die hohen öffentlichen Ausgaben stützen weiterhin die Binnennachfrage. Aber der Gegenwind nimmt unter anderem durch eine schwächer laufende Weltwirtschaft, ungelöste Zoll– und Handelsstreitigkeiten, immer noch bestehender Sanktionen in wichtigen Zielmärkten, die Hängepartie um den EU-Austritt Großbritanniens sowie steigende Kosten- und Bürokratiebelastungen zu.
Der IHK-Geschäftsklimaindex, der die Einschätzungen zur aktuellen Lage und zu den Geschäftserwartungen gleichermaßen berücksichtigt, fällt nach der Bestmarke im Vorjahr (137 Punkte) auf aktuell 128 Punkte.
„Die Konjunkturerwartungen werden durch eine ganze Reihe von Unwägbarkeiten gebremst.“ fasst Dieter Pfortner, Präsident der IHK Chemnitz, die Ergebnisse der Umfrage zusammen. „Spätestens jetzt brauchen wir eine aktive, vorausschauende Wirtschaftspolitik in Deutschland. Zur Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit sind beschleunigte Investitionen in Bildung und Infrastruktur, eine Steuerreform für den Mittelstand, stärkere Anreize für Innovationen, ein besseres Management der Energiewende und ein wirklicher, spürbarer Bürokratieabbau dringend notwendig“, fordert Dieter Pfortner weiter.
Mit 63 Prozent bewertet weiterhin eine deutliche Mehrheit der Unternehmen ihre Geschäftslage mit gut. Nur sieben Prozent der Befragten sind unzufrieden.
Im Ergebnis fällt der Lagesaldo auf 56 Punkte, nach 63 Punkten im Vorjahr. Insbesondere in der Industrie nehmen die positiven Bewertungen aufgrund der nachlassenden Exportnachfrage ab. Diese Zurückhaltung spiegelt sich auch in den Lageeinschätzungen der unternehmensnahen Dienstleister und im Güterverkehrsbereich wider.
Im Gegensatz dazu verzeichnen das Baugewerbe und der Handel dank anhaltenden Beschäftigungsaufbau, steigenden Löhnen und Gehältern sowie weiterhin niedrigen Zinsen neue Bestmarken. Die stabile Binnenkonjunktur verhilft der Freizeit- und Gesundheitswirtschaft sowie den Finanzdienstleistern ebenfalls zu neuen Spitzenbewertungen.
Die Geschäftserwartungen fallen spürbar zurückhaltender aus. Insbesondere die Industrie und der Güterverkehr korrigieren ihre Prognosen nach unten.
Der regionalen Wirtschaft bereiten die Arbeitskosten (52 %), die Energie- und Kraftstoffpreise (48 %) sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (42 %) deutlich größere Sorgen. Konkrete wirtschaftspolitische Hemmnisse sind die steigenden Bürokratiebelastungen (bspw. durch das Verpackungsgesetz, Elektrogesetz, DSGVO), die hohe Steuer- und Abgabenlast des Mittelstands, die kostenintensive Energiepolitik, die Auswirkungen der Dieselkrise sowie zunehmende Handelsschranken.
Größtes Geschäftsrisiko bleibt aber mit aktuell 58 Prozent der Nennungen der Fachkräftemangel. Laut Personalprognosen verlangsamt sich zwar der Beschäftigungsaufbau. Dennoch berichten die Unternehmen von anhaltenden Problemen bei der Besetzung offener Stellen, insbesondere für ausscheidende Mitarbeiter.
Hintergrund:
Die IHK-Konjunkturbefragungen erfolgen drei Mal jährlich zum Jahresbeginn, im Frühjahr und im Herbst. Die regionalen Unternehmen werden zur aktuellen Lage, zu den Geschäftsprognosen für die kommenden 12 Monate und den Geschäftsrisiken befragt. Die aktuelle Befragung zum Jahresbeginn fand vom 10. Dezember bis 8. Januar statt.