PM 112 | 07.11.2019

Betriebliche Ausbildung zur Fachkräftesicherung notwendig

Bilanz auf dem sächsischen Ausbildungsmarkt
Agentur für Arbeit
In Sachsen haben von Oktober 2018 bis September 2019 über 21.100 Jugendliche mit Unterstützung der Berufsberatung einen Ausbildungsplatz gesucht. Bei den Agenturen für Arbeit waren im gleichen Zeitraum fast 21.600 Berufsausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet. Rund 900 Ausbildungsbewerber waren nach dem 30. September noch auf Ausbildungssuche. Ihnen standen circa 1.700 unbesetzte Lehrstellen gegenüber.
„Die Fachkräftebedarfe der sächsischen Unternehmen sind ungebrochen hoch. Die Betriebe setzen deshalb auf die betriebliche Ausbildung, um die Fachkräfte von morgen selbst zu entwickeln. Ein guter Beleg dafür ist die hohe Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen, genau wie im letzten Berufsberatungsjahr. Fest steht, dass nicht alle Lehrstellen mit einem passenden Bewerber besetzt werden können.
Berufsausbildung hat jedoch auch für beide Seiten ein Preisschild. Die Jugendlichen sind gefordert, eine gute Motivation und solide schulische Grundbildung für einen erfolgsversprechenden Ausbildungsstart mitzubringen. Die Arbeitgeber sollten besonders in den ersten Wochen der Ausbildung sorgsam mit der neuen Generation umgehen und eine hohe Bindungsbereitschaft zum Betrieb entwickeln.
Mit Blick auf die noch suchenden Bewerber werden wir gemeinsam alles daransetzen, für jeden ein passendes Angebot zu finden. Jeder hat Talente und niemand wird von uns allein gelassen. Kein Jugendlicher darf uns verloren gehen – und wenn es auch mehrere Chancen dafür braucht“, sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA).
Zum Ende des Berichtsjahres im September gab es noch 1.725 unbesetzte Ausbildungsstellen und 933 unversorgte Ausbildungsbewerber. Damit standen rechnerisch etwa zwei freie Ausbildungsstellen für jeden noch suchenden Bewerber zur Verfügung. Alle Jugendlichen, die bisher noch keine konkreten Zusagen erhalten haben, die sich jetzt doch für eine Berufsausbildung entscheiden oder die, deren Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst wurde, können auf Ausbildungsbörsen und beim Berufsberater schnell und direkt passende Angebote erhalten.

Sächsische Industrie- und Handelskammern
Die Mitgliedsunternehmen aus dem Bereich der drei sächsischen Industrie- und Handelskammern Chemnitz, Dresden und zu Leipzig haben 11.466 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen (Stand: 30. September 2019). Das sind 263 weniger als im Vorjahreszeitraum (minus 2,2 Prozent).
„Die Herausforderung für Unternehmen, offene Ausbildungsplätze zu besetzen, ist weiterhin hoch. Mehr und mehr Unternehmen erhalten gar keine Bewerbungen mehr oder finden keine geeigneten Bewerber.
Im April dieses Jahres haben wir uns mit dem Pakt für duale Ausbildung als Sächsische Kammern mit der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft und mit Sachsens Staatsregierung klar zur dualen Ausbildung als Kern der beruflichen Bildung in Deutschland und als wesentliche Grundlage für die Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfes bekannt. Es ist zwingend nötig, dass sich alle an der dualen Ausbildung Beteiligten noch intensiver diesem Thema widmen. Nur gemeinsam können wir unseren Fachkräftenachwuchs sichern“, sagte Dr. h. c. Dieter Pfortner, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der sächsischen IHKs.
 
Sächsische Handwerkskammern
Ein positiver Trend insgesamt ist im Bereich der drei sächsischen Handwerkskammern bei der beruflichen Ausbildung von Fachkräftenachwuchs zu verzeichnen. Bis zum 30. September 2019 konnten insgesamt 5.423 neue Lehrverträge abgeschlossen werden. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sind das 86 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse mehr (plus 1,6 Prozent).
„So erfreulich der Anstieg der Lehrverträge im Handwerk ist, reicht er aber nicht aus, den anhaltenden Fachkräftemangel im Handwerk zu lindern. Für die Betriebe bleibt es schwierig, genügend und geeignete Bewerber zu finden.
Die steigenden Zahlen zeigen aber auch, dass immer mehr junge Menschen sehen, was das Handwerk in punkto Vielseitigkeit, Karrierechancen, Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit und Heimatnähe zu bieten hat. Die Zahlen können noch besser werden, wenn wirklich flächendeckend und an allen Schularten die Berufsorientierung auch die duale Ausbildung mit einschließt.
Zur Attraktivität der dualen Ausbildung gehört aber auch, ein attraktives, wohnortnahes Berufsschulnetz vorzuhalten. Hier sehen wir den Freistaat in der Pflicht“, sagte Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz.

Schloz Wöllenstein GmbH & Co. KG
Die Schloz Wöllenstein GmbH & Co. KG hat Standorte in Chemnitz, Freiberg, Frankenberg und Annaberg-Buchholz. Über die Gesellschafter gibt es auch weitere Unternehmen in Bayern und Tschechien. Die Firma unterhält im Kern Autohäuser mit Kfz-Werkstätten und in Chemnitz betreibt sie die Event Location „KRAFTVERKEHR“. Seit der Unternehmensgründung im Jahr 1991 wurden vielzählige Azubis ausgebildet – beispielsweise in den Berufen Automobilkaufmann, Kfz-Mechatroniker, Fachkraft Lagerlogistik oder Bürokaufleute. Von den über 350 Mitarbeitern sind derzeit rund 60 Auszubildende in den verschiedenen Lehrjahren.
„Auch wir merken, dass es in den letzten Jahren schwieriger geworden ist, geeignete Auszubildende für unser Unternehmen zu finden. Das betrifft nicht nur die quantitative Seite, sondern auch die qualifikatorischen Voraussetzungen der Jugendlichen.
Zwar ist unser etablierter Firmenname hilfreich bei der Personalrekrutierung, dennoch ist die Bewerbersuche kein Selbstläufer. Die Schulnoten sind nicht immer ausschlaggebend bei der Entscheidung für einen Lehrvertragsabschluss. Eine solide schulische Grundbildung ist zweifelsohne erforderlich, aber genauso wichtig sind die Soft Skills wie Motivation, Zuverlässigkeit, Fleiß und Ausdauer“, sagte Andreas Wöllenstein, geschäftsführender Gesellschafter der Schloz Wöllenstein GmbH & Co. KG.
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