PM 53 | 28.05.2019

Konjunkturumfrage Sachsen: Sächsische Wirtschaft agiert zurückhaltend

Die Wirtschaft in Sachsen befindet sich weiterhin in einer guten Verfassung, hat aber im Frühjahr 2019 nochmals an Schwung verloren. Der IHK-Geschäftsklimaindex fällt erneut leicht von 130 Punkten zu Jahresbeginn auf jetzt 128 Punkte.
Diese Entwicklung resultiert vor allem aus den gesunkenen Lagebeurteilungen, für die kommenden Monate sind die Unternehmen jedoch verhalten optimistisch. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern, an der sich 1.892 Unternehmen mit knapp 97.000 Beschäftigten beteiligten.
„Angesichts einer sich verfestigenden Flaute brauchen wir verbesserte Standortfaktoren, von denen alle profitieren“ fordert Dr. h. c. Dieter Pfortner, Präsident der IHK Chemnitz und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der sächsischen IHKs. „Jetzt sind beschleunigte Investitionen in Bildung und Infrastruktur, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, eine Unternehmenssteuerreform, die steuerliche Forschungsförderung, Entlastungen bei den Strompreisen und vor allem ein wirklicher Bürokratieabbau ein Muss“, so Pfortner weiter.
Grafische Darstellung der Entwicklung des Geschäftsklimaindexes
Der IHK-Geschäftsklimaindex berücksichtigt gleichrangig die Beurteilungen der Unternehmen zur Geschäftslage (Lagesaldo) und zur zukünftigen Geschäftsentwicklung (Erwartungssaldo). Er wird als geometrisches Mittel der Lage- und Erwartungssalden berechnet.
Deutlich über die Hälfte (58 Prozent) der sächsischen Unternehmen beurteilt ihre Geschäftslage als gut, und nur sieben Prozent als schlecht. Der sich daraus ergebende Saldo liegt mit 51 Punkten weiterhin auf hohem Niveau und knapp über dem fünfjährigen Mittelwert (49 Saldenpunkte). Der Saldo der Geschäftserwartungen steigt leicht um einen auf neun Punkte gegenüber der Vorbefragung, ist aber deutlich niedriger als noch vor einem Jahr (17 Prozentpunkte).

Die Branchen

Seit dem Allzeithoch zu Jahresbeginn 2018 sind die Lageeinschätzungen der sächsischen Industrie kontinuierlich zurückgegangen. So schätzen aktuell 55 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut ein (Jahresbeginn: 62 Prozent) und 8 Prozent als schlecht (Jahresbeginn: 5 Prozent). Ursachen dafür sind eine schwächere Umsatzentwicklung sowie eine schlechtere Ertragsentwicklung. Auch die Geschäftserwartungen für die nächsten 12 Monate trüben sich ein, vor allem, da die Tendenz der Auftragseingänge, sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland aktuell nach unten zeigt.
Hohe Umsätze, eine gute Ertragsentwicklung und eine positive Tendenz der Auftragseingänge sorgen für Hochstimmung in der Baubranche. Mit 82 Prozent guter Lagemeldungen wird ein Allzeithoch erreicht. Lediglich 3 Prozent der Befragten schätzen ihre wirtschaftliche Lage als schlecht ein. Auch der Ausblick auf die kommenden Monate ist hervorragend.
Obwohl der Saldo aus guten (61 Prozent) und schlechten Lageeinschätzungen (5 Prozent) im sächsischen Dienstleistungsgewerbe auf 56 Punkte etwas gesunken ist (Jahresbeginn: 62 Punkte), befindet sich die Branche in guter Verfassung und ist nach dem Baugewerbe Motor der sächsischen Konjunktur. Gestiegene Umsatzerwartungen sorgen zudem wieder für eine Verbesserung der Geschäftsprognosen – die Skepsis vom Jahresbeginn weicht einem verhaltenen Optimismus. Knapp ein Viertel (23 Prozent) gehen von einer sich verbessernden Geschäftslage, und 10 Prozent von einer ungünstigeren Entwicklung aus.
Nach einer Verbesserung zu Jahresbeginn fällt die Bewertung der Geschäftslage im sächsischen Einzelhandel wieder etwas ab. So sinkt der Anteil guter Lageeinschätzungen von 57 Prozent zu Jahresbeginn auf aktuell 52 Prozent. Steigende Beschäftigung und Einkommen bleiben aber gute Voraussetzungen für eine hohe Nachfrage im Einzelhandel, was sich auch in den positiven Geschäftserwartungen niederschlägt. Wie zu Jahresbeginn erwarten 20 Prozent der Unternehmen eine Verbesserung, 11 rechnen mit einer Abkühlung (Jahresbeginn: 16 Prozent).
Der Aufwärtstrend der Lageeinschätzungen im Großhandel setzt sich im Frühjahr 2019 fort. So steigt der Saldo aus guten und schlechten Lagebeurteilungen auf 46 Punkte (Jahresbeginn: 42 Punkte). Ursache dürfte vor allem die gute Umsatzentwicklung sein, auch, wenn sich steigende Kosten auf die Erträge negativ auswirken. Darin begründet sich vermutlich auch das leichte Absinken der Geschäftserwartungen.
Das sächsische Verkehrsgewerbe schätzt seine Lage saisonbedingt ähnlich ein wie vor einem Jahr. 50 Prozent guten Einschätzungen stehen 6 Prozent schlechte gegenüber. Umsätze, Auftragseingänge und die Ertragsentwicklung weisen nach unten, wobei Letzteres u. a. mit der Mauterhöhung zu Jahresbeginn zusammenhängen dürfte. Dennoch blicken die Unternehmen wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft als zum Jahresbeginn. So erwarten 16 Prozent bessere Geschäfte (Jahresbeginn: 10 Prozent) und 13 Prozent schlechtere (Jahresbeginn: 17 Prozent).

Investition und Beschäftigung

Ein Viertel der Unternehmen gibt an, innerhalb des nächsten Jahres Investitionen erhöhen zu wollen, 43 Prozent der Befragten halten ihre Investitionspläne auf dem Stand des Vorjahres. Ersatzbeschaffungen sind dabei nach wie vor das Hauptmotiv.
Knapp jedes fünfte sächsische Unternehmen (19 Prozent) plant in den kommenden Monaten seine Beschäftigtenzahl zu erhöhen, und nur 12 Prozent diese zu verringern. Damit dürfte es 2019 zu einer weiteren Zunahme der Beschäftigten in der sächsischen Wirtschaft kommen. In welchem Umfang dieser Personalaufbau tatsächlich realisiert werden kann, hängt aber auch von der Verfügbarkeit der erforderlichen Fachkräfte ab.

Das Risikoradar

Nach wie vor ist der Fachkräftemangel das Geschäftsrisiko, das die meisten Unternehmen beunruhigt (57 Prozent), gefolgt von den Arbeitskosten (50 Prozent) und der Entwicklung der Inlandsnachfrage (40 Prozent).
Diagramm zu Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung
 
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