PM 87 | 15.08.2019

Abwärtstrend bei Ausbildungsverträgen vorerst gestoppt

Trotz der demografischen Entwicklung und der Studienneigung vieler junger Menschen ist der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen vorerst gestoppt. Das geht aus der aktuellen DIHK-Ausbildungsumfrage hervor. Im vergangenen Jahr konnten die Betriebe insgesamt mehr Ausbildungsverträge schließen, obwohl die Schülerzahlen weiter rückläufig waren. Auch im laufenden Jahr ist die Zahl der Ausbildungsverträge stabil.
„Junge Menschen sehen in der Beruflichen Ausbildung wieder öfter einen attraktiven Einstieg ins Berufsleben“, sagt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks.
Zudem konnten auch mehr Abiturienten oder Studienabbrecher für eine duale Ausbildung gewonnen werden.Der deutschen Wirtschaft fällt es jedoch nach wie vor schwer, alle offenen Ausbildungsplätze zu besetzen.
„Die Herausforderung für die deutschen Unternehmen, den dringend benötigten Nachwuchs an Fachkräften zu entwickeln, bleibt riesig“, so Dercks.
Dies lässt sich eindrucksvoll untermauern: Das gemeldete Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen war 2018 noch einmal erheblich größer als im Vorjahr (+19.000, 546.600). Dies macht deutlich: Der Fachkräftebedarf der deutschen Wirtschaft ist enorm.
„Im Wettbewerb um den Fachkräftenachwuchs gibt es innerhalb der Wirtschaft Gewinner und Verlierer“, analysiert Dercks.
Während sich viele Unternehmen noch vor einigen Jahren Azubis auswählen konnten, sind es heute vielfach die Azubis, die sich das passende Unternehmen aussuchen: Knapp ein Drittel der Betriebe (32 Prozent, Vorjahr 34 Prozent) konnte im vergangenen Jahr offene Ausbildungsplätze nicht besetzen. Und fast jeder zehnte Betrieb (18.000 Unternehmen) hat 2018 überhaupt keine Azubi-Bewerbung erhalten (2017: 17.000). Damit hat sich die Zahl der IHK-Betriebe, die keine einzige Bewerbung mehr erhalten haben, seit 2012 nahezu verfünffacht.
„Diese Entwicklung zeigt: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen alles daransetzen, den Fachkräftemangel zu bekämpfen“, kommentiert der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer die Zahlen.
Um offene Ausbildungsstellen zu besetzen und die Integration zu unterstützen, bilden im IHK-Bereich immer mehr Unternehmen Geflüchtete aus. Derzeit sind es rund 16 Prozent (2018: 14 Prozent, 2017: sieben Prozent) der ausbildenden Unternehmen. Hochgerechnet bedeutet dies, dass momentan rund 25.000 Geflüchtete in einer Ausbildung in einem IHK-Betrieb sind (2018: 20.000; 2017: 15.000). Besonders in der Gastronomie, dem Bau- und Verkehrsgewerbe haben die Betriebe ihr Ausbildungsengagement von Geflüchteten überproportional stark fortgesetzt.
Viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren Transformationsprozesse im Zuge der Digitalisierung angestoßen.
„Azubis können hier einen ganz wichtigen Beitrag leisten“, sagt Dercks.
So verwundert es nicht, dass für 77 Prozent der Betriebe IT-Kenntnisse der Jugendlichen ein wichtiges Einstellungskriterium sind. Die diesjährige Ausbildungsumfrage belegt außerdem: Die vorhandenen Ausbildungsberufe treffen auch in Zeiten des digitalen Wandels ihren betrieblichen Bedarf. Nur ein Prozent der Unternehmen wünschen sich neue Ausbildungsberufe.


Situation im Kammerbezirk der IHK Chemnitz

 

179 Unternehmen der IHK Chemnitz beteiligten sich an der Umfrage vom Dachverband der Industrie- und Handelskammern. Ein Kernergebnis der Befragung für die Region Chemnitz ist die ernüchternde Aussage, dass 49,4% der befragten Unternehmen nicht alle ihrer angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnten. Immer mehr Unternehmen erhalten gar keine Bewerbungen mehr. Waren es zur Befragung in 2017 noch rund jedes vierte, so sind es in diesem Jahr bereits 34,8% der Unternehmen, denen keine Bewerbungen vorlagen.
Ausbildungsunternehmen sind an dieser Stelle gefordert zu reagieren. Rund 33% der befragten Betriebe sind bereit, leistungsschwächeren Bewerbern eine Chance zu geben. 13,3% bieten Einstiegsqualifizierungen zum Erwerb der Ausbildungsreife an, jedes fünfte Unternehmen strickt ein eigenes Nachhilfeangebot für seine Azubis. Weiterhin versuchen rund ein Drittel neue Bewerbergruppen, wie etwa Studienabbrecher, zu erschließen. Rund jedes vierte Unternehmen gab außerdem an, bereits Auszubildende aus einem anderen Herkunftsland eingestellt zu haben.
Junge Leute, die jetzt noch auf der Suche nach der passenden Lehrstelle sind, haben also beste Chancen und können sich auf der Lehrstellenbörse der IHK Chemnitz unter www.karriere-rockt.de aus über 600 freien Lehrstellen ihre passende Ausbildung suchen.
Ausführliche Informationen zu den bundesweiten Ergebnissen sowie zur regionalen Auswertung erhalten Sie in der DIHK-Ausbildungsumfrage.
 
IHK-Ansprechpartner im Fachbereich: Thomas Nelamischkies, Telefon 0371 6900-1420