PM 30: 17.05.2017

Brexitfolgen für britische Limiteds in Deutschland

Als im vergangenen Jahr das britische Volk über den Brexit abstimmte, dachten nicht wenige, dass ein EU-Austritt unvorstellbar ist. Doch es kam anders und seither müssen sich sowohl die Briten als auch die EU verstärkt mit diesem Thema auseinandersetzen. In den ersten Reaktionen wurde viel über die möglichen negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft diskutiert. Insbesondere deutsche Firmen, die nach Großbritannien exportieren oder in diesem Land produzieren, rechnen mit erheblichen Einschnitten. Aktuell wird in den Medien viel über die Austrittsverhandlungen bzw. Austrittsbedingungen und die gegenseitigen Forderungen berichtet.
Ein Thema was in der öffentlichen Berichterstattung praktisch nicht existiert, ist die Frage was aus den in Deutschland operativ tätigen Limiteds wird. Deren Rechtssitz befindet sich in Großbritannien und ihr Verwaltungssitz ist in Deutschland. Insbesondere für diese Gesellschaftsform hat der Brexit gravierende Folgen, da es zukünftig keine gesetzliche Legitimation in Deutschland mehr gibt. Derzeit unterliegen Limiteds sowohl britischem als auch deutschem Recht.
Nach dem Brexit würde sich eine Limited mit Verwaltungssitz in Deutschland in eine Personengesellschaft oder ein Einzelunternehmen wandeln. Damit käme es zur Aufdeckung der stillen Reserven und zur hypothetischen Vollausschüttung. Neben möglichen Steuernachforderungen des Finanzamtes werden weiterhin sämtliche Haftungsbeschränkungen aufgehoben, weshalb der Unternehmer zukünftig voll privat haftbar gemacht werden kann.
Aufgrund dieser und weiterer möglicher Folgen für britische Limiteds in Deutschland, führte die IHK Chemnitz Regionalkammer Mittelsachsen im Mai 2017 eine Informationsveranstaltung durch, bei der Thomas Kästner von der MOOG Partnerschaftsgesellschaft mbB den anwesenden Unternehmern die rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten bei der Überführung in eine nach deutschem Recht anerkannte Gesellschaftsform erläuterte. Auch wenn die vielen Fragen der Unternehmer zeigten, dass jeder Fall einzeln zu betrachten ist, können drei grundsätzliche Überführungsmöglichkeiten unterschieden werden. Dabei handelt es sich um
  • Asset Deal (Übertragung von Vermögensgegenständen und Schulden auf deutsche KapG),
  • Grenzüberschreitender Formenwechsel (§§ 190 ff. UmwG) und
  • Grenzüberschreitende Verschmelzung (§§ 112a ff. UmwG).
Den Geschäftsführern von Limiteds in Deutschland rät Herr Kästner sich zeitnah mit dem Thema der Überführung der Limited in eine nach bundesdeutschem Recht anerkannte Gesellschaftsform auseinanderzusetzen, um die o. g. Risiken zu umgehen. Auch wenn die Briten nach derzeitigem Stand erst am 31.03.2019 die EU verlassen werden, verlangt der Prozess der wohl durchdachten Überführung einen gewissen zeitlichen Vorlauf und sollte daher frühzeitig eingeleitet werden.
Für Rückfragen zum Thema bzw. zur Veranstaltung steht Ihnen Florian Aurich von der Regionalkammer Mittelsachsen gern zur Verfügung.