PM 50: 29.11.2017

Online oder Offline?

Die Digitalisierung stellt gegenwärtig sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung für den stationären Einzelhandel dar. So trägt der Verkauf über einen eigenen Webshop oder über Onlinemarktplätze zur Erweiterung des Kundenkreises bei und schafft neue Vertriebskanäle. Ebenso erleichtern Webseiten, E-Mails, Facebook und Co. die Kundenkommunikation und digitale Sichtbarkeit des stationären Einzelhandels. Doch wie intensiv nutzt der stationäre Einzelhandel bisher schon digitale Services und Technologien? Oder ist Digitalisierung bisher nur ein Thema für Unternehmen wie Amazon und Zalando?
Zur Beantwortung dieser Frage hat das universitäre Beratungs- und Forschungsinstitut ibi research an der Universität Regensburg zusammen mit über 40 Industrie- und Handelskammern und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eine Händlerbefragung im Sommer 2017 durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden, wie der Einzelhandel heute schon mit der Digitalisierung umgeht.
Die IHK Chemnitz bedankt sich bei den zahlreichen Händlern aus dem gesamten Kammerbezirk, die an der Befragung teilgenommen haben. Damit haben diese einen wichtigen Beitrag geleistet, um den Grad der Digitalisierung im Einzelhandel zu erkennen und Hilfsmittel zu identifizieren.
Von den befragten Händlern verkauft derzeit …
  • fast jeder (92%) seine Produkte im stationären Ladengeschäft.
  • jeder vierte Händler im eigenen Onlineshop.
  • kaum jemand auf eBay (10%), Amazon (9%) oder anderen Online-Marktplätzen (6%).
Die Mehrheit der Händler ist mittlerweile im Netz auffindbar und nutzt soziale Medien zur Kundenkommunikation und zum Marketing: Facebook (61%), Website (57%), GoogleMyBusiness-Eintrag (32%).
Bisher werden den Kunden digitale Services eher weniger angeboten. Online Reservierung und Vor-Ort-Abholung bieten 25% der befragten Händler an. Den Online-Verfügbarkeits-Check gibt es bei 14% der befragten Händler. Auch das kontaktlose Bezahlen (10%), kostenfreies WLAN (4%) oder Mobile Assistenten (4%) zum Einkaufen spielen bisher eine untergeordnete Rolle.
Dies kann damit zusammenhängen, dass die Händler ihr Wissen zum Thema Digitalisierung als eher durchschnittlich einschätzen. Auf einer Skala von 1 (sehr gering) bis 10 (sehr hoch) ordnen sich die sächsischen Händler bei 4,7 und damit knapp unter dem bundesdeutschen Durchschnitt (5,4) ein. Die Mehrheit der Händler schätzt das Wissen im Bereich Online-Marketing (69%) und E-Commerce (55%) sowie zum Einsatz digitaler Technologien (66%) als gering ein. Obwohl die Händler mehrheitlich online auffindbar sind, ist der Schulungsbedarf zur Kundenkommunikation (47%) und zum Einsatz sozialer Medien (44%) am höchsten.
Warum verkaufen stationäre Händler bisher kaum online? Dies steht in direktem Zusammenhang zur personellen Situation des stationären Einzelhandels. Die Mehrheit (60%) hat keine personellen Ressourcen und keine Zeit (65%), um sich diesem Vertriebszweig zu widmen. Auch hohe Investitionskosten stellen ein Hindernis für die Händler dar, um das Unternehmen für den E-Commerce vorzubereiten.
Ein zentrales Ergebnis der Handelsstudie ist, dass sich der Einzelhandel zwar bereits mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt, jedoch in vielen Bereichen noch zurückhaltend agiert. Ob und wie Prozesse digitalisiert werden, hängt häufig von der Meinung und dem Kenntnisstand der Geschäftsführung (66%) ab. Ebenso reflektiert die Studie, dass das Thema „Digitalisierung“ sehr komplex ist. Um zu entscheiden, welche Prozesse im Unternehmen wann und wie digitalisiert werden, bedarf es einer Strategie mit Zielsetzungen, Arbeitsschritten und Budget. Allerdings gaben 52% der befragten Händler an, derzeit keine Digitalisierungsstrategie und auch in Zukunft keine zu haben.