PM 52 | 29.05.2017

Betriebliche Ausbildung - auch mit Handicap möglich

Zwei Chemnitzer Firmen gehen neue Wege in der Ausbildung

Die Firma Kilovolt Prueftechnik Chemnitz GmbH wagte 2015 die betriebliche Ausbildung eines hochgradig hörgeschädigten Jugendlichen zum Elektroniker für Geräte und Systeme. Willy Kenz hatte bereits durch Interesse, Motivation und Zuverlässigkeit innerhalb eines Schülerpraktikums bei der Gemac - Gesellschaft für Mikroelektronikanwendung Chemnitz mbH überzeugt.
Das Engagement der Firma Kilovolt Prueftechnik Chemnitz GmbH  um den Geschäftsführer Jan Haugke ist beispielgebend, denn der zeitliche und organisatorische Aufwand sind nicht zu unterschätzen. Die Unterstützung der Arbeitsagentur, einer Berufseinstiegsbegleiterin in den ersten 6 Monaten der Ausbildung und die Möglichkeit der Inanspruchnahme von ausbildungsbegleitenden Hilfen bei einem Bildungsträger sind für den erfolgreichen Ausbildungsabschluss wichtig. Willy Kenz besucht wie alle anderen Auszubildenden in diesem Berufsbild das Berufsschulzentrum I für Technik in Chemnitz. Er arrangiert sich mit seiner Einschränkung, und wenn sein Umfeld ein paar wenige Dinge beachtet, dann klappt auch die Kommunikation.
Ausbildung mit Handicap bedeutet immer einen Mehraufwand, sei es langsames und wiederholtes Erklären von Arbeitsschritten oder auch eine zeitlich intensivere individuelle Betreuung. Umfassend berät dazu die Inklusionsberaterin der IHK Chemnitz. Grundlagen und Verfahrensweise für die Beantragung eines möglichen Nachteilsausgleiches für die Zwischen- und Abschlussprüfung, aktuelle Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten bis hin zur Koordination von gemeinsamen Gesprächsrunden zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch sind nur einige Inhalte.
Die Autohaus Chemnitz GmbH stellt sich der Herausforderung Ausbildung von Jugendlichen mit Behinderung seit 2016. Hier erhält eine junge hörgeschädigte Frau die Möglichkeit der Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Dies ist nicht zuletzt durch spezielle technische Hilfen, gefördert durch die zuständigen Rehabilitationsträger, möglich. Die Praxis zeigt, dass eine enge Vernetzung von Arbeitsagentur, Berufsschule und Unternehmen für eine inklusive Ausbildung unabdingbar ist.
Das Engagement beider Firmen zeigt eindrucksvoll, dass eine Behinderung nicht hinderlich sein muss, auch nicht bei der zukünftigen Fachkräftesicherung. Es gilt vorhandene Vorurteile und Ängste abzubauen und auch Jugendlichen mit einem Handicap eine Chance für einen anerkannten Beruf und damit auf Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglich. Im Unternehmen an richtiger Stelle eingesetzt, können junge Menschen mit Behinderungen als im eigenen Betrieb ausgebildete Fachkräfte einen dauerhaften Beitrag leisten, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.
IHK-Ansprechpartnerin im Fachbereich: Ines Petzold, Inklusionsberaterin, Tel. 0371 6900-1233 oder E-Mail: ines.petzold@chemnitz.ihk.de