PM 111 | 07.12.2017

Sachsen wünschen sich mehr Industrie

 - aber nicht direkt vor ihrer Haustür

Die Industrie spielt für die Sachsen eine wichtige Rolle, jedoch sehen viele die Kleinteiligkeit der sächsischen Industrie problematisch. Das ist das Ergebnis der neuen Studie, die das FOG-Institut für Markt- und Sozialforschung im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Chemnitz durchgeführt hat. Hierbei wurden 750 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 74 Jahren zur Wahrnehmung der produzierenden Unternehmen befragt. Mit der sächsischen Industrie verbinden viele Menschen die Schaffung von Arbeitsplätzen, den industriellen Fortschritt und Innovationen. Allerdings werden die Arbeitsbedingungen teilweise kritisch bewertet.
Jeder zweite Sachse bewertet das Image der Industrie mit „gut“ oder „eher gut“. Jedoch wünschen sich die Befragten noch mehr und vor allem noch größere Industriebetriebe. Denn mit der Industrie verbinden die meisten Menschen Arbeits- und Ausbildungsplätze (96 Prozent und 93 Prozent der Befragten) und Fortschritt (93 Prozent).
Wenn die Befragten Kritik äußerten, dann meist wegen der Arbeitsbedingungen und Belastungen für Umwelt und Anwohner. Ursächlich dafür sind auch die tradierten Bilder, mit der die Industrie wahrgenommen wird. So stehen beispielsweise Maschinen, Schornsteine, Rauch und Umweltschäden für diesen Wirtschaftsbereich.
Insgesamt vertreten die Sachsen eine deutlich positive Grundeinstellung gegenüber der sächsischen Industrie:
  • Knapp 95 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Sachsen seine vorhandenen Industrien erhalten solle
  • Neun von zehn Befragten befürworten neue High-Tech-Industrien in Sachsen
  • Knapp 85 Prozent der Befragten halten neugebaute industrielle Großanlagen für unverzichtbar für die Weiterentwicklung der sächsischen Wirtschaft
  • 93 Prozent stimmen der Aussagen zu, „Industrieregionen in unserer Region sollten gestärkt werden und weitere Ansiedlungsmöglichkeiten geschaffen werden“
  • Nur 87 Prozent stimmen der Aussage zu „Industrieunternehmen in meiner unmittelbaren Umgebung stehe ich positiv gegenüber“
Somit ändert sich die Meinung der Befragten zur Stärkung und Neuansiedlung der Industrie, wenn sie direkt von den Auswirkungen der Neuansiedlung betroffen wären. 38 % würden gegen den Bau einer industriellen Großanlage in der direkten Wohnnähe demonstrieren.
Die Ergebnisse der Befragung belegen, dass die sächsische Industrie einen positiven Ruf hat, Menschen die Chancen und Vorteile kennen und für einen weiteren Ausbau der Industrie in Sachsen stimmen. Gleichzeitig wünscht sich die Öffentlichkeit mehr Informationen und Transparenz über Neuansiedlungen und Aktivitäten der Unternehmen.
Die IHK Chemnitz wird durch die gezielte Kommunikation von unternehmerischen Best-Practice Beispielen das Thema Industrieakzeptanz und Arbeitgeberattraktivität im Jahr 2018 gezielt befördern.
Hintergrundinformationen:
In Sachsen arbeiten 319.000 Menschen bzw. 20 Prozent (+1,3 % ggü. Vorjahr) der Gesamtbeschäftigten in der Industrie bzw. im Verarbeitenden Gewerbe (Kammerbezirk Chemnitz: 143.000 bzw. 26 Prozent)
  • 13.500 Industrieunternehmen gibt es in Sachsen (rund 6.100 im Kammerbezirk)
  • Die sächsischen Industrieunternehmen ab 50 Beschäftigten erwirtschaften 2016 einen Umsatz von 57,6 Mrd. € (im Kammerbezirk Chemnitz: 23,6 Mrd. €), die Exportquote lag bei 39,3 Prozent
  • Per 30.09.2017 stiegen die Umsätze um 3,8 Prozent (Kammerbezirk Chemnitz: 3,3 %)
Die beschäftigungsstarken Industriebetriebe im Kammerbezirk Chemnitz sind: 
  • Volkswagen Sachsen GmbH (9.350 Beschäftigte in der Region)
  • Siemens AG (1.960 Beschäftigte in der Region)
  • Linamar Antriebstechnik GmbH (1465 Beschäftigte in der Region)
  • Continental Automotive GmbH (1.400 Beschäftigte in der Region)
  • SCHERDEL Marienberg GmbH (1.140 Beschäftigte in der Region)
  • GKN Driveline Deutschland GmbH (1.000 Beschäftigte in der Region)
  • Siltronic AG (840 Beschäftigte in der Region)
  • KSG Leiterplatten GmbH (760 Beschäftigte in der Region)
  • TAKATA Sachsen GmbH (740 Beschäftigte in der Region)
  • Meiser Vogtland OHG (700 Beschäftigte in der Region)
  • Cotesa GmbH (700 Beschäftigte in der Region)
  • SODECIA Powertrain Oelsnitz GmbH (698 Beschäftigte in der Region)
  • AWEBA Werkzeugbau GmbH Aue (650 Beschäftigte in der Region)
  • HOPPE AG (620 Beschäftigte in der Region)
  • Sachsen Guss GmbH (614 Beschäftigte in der Region)
  • NILES-SIMMONS-HEGENSCHEIDT GmbH (NSH Group) (563 Beschäftigte in der Region)
  • Turck Beierfeld GmbH (500 Beschäftigte in der Region)
Die vollständige Studie finden Sie unter: www.chemnitz.ihk24.de, Suchwort Industriebild