PM 113 | 07.12.2017

Stimmungsaufwind in der Tourismusbranche

Im Gastgewerbe wird der höchste Stand seit Jahren erreicht und auch die Reise-agenturen machen einen deutlichen Sprung nach oben, wie der Geschäftsklima-index (Abbild der Einschätzungen zur Geschäftslage und den Geschäftsprognosen) der beteiligten Unternehmen zeigt.
Vor allem die Geschäftslage wird besser bewertet als noch vor Jahresfrist. Rund 60 Prozent der beteiligten Hotels, Pensionen und Gastronomen sowie Reisebüros, Reiseveranstalter und Omnibusunternehmen verzeichnen im Sommerhalbjahr 2017 gute Geschäfte. Nur wenige Unternehmen äußern sich unzufrieden. Offensichtlich bietet die anhaltend stabile Binnenkonjunktur günstige nachfrageseitige Rahmenbedingungen für die Tourismusbranche, auch wenn die Geschäftstätigkeit in der zurückliegenden Saison im Gastgewerbe durch die wechselhafte, oft nasse Wetterlage sowie in der Reisebranche vor allem durch die weltpolitische Lage beeinflusst wurde.
Die Geschäftsprognosen für die begonnene Wintersaison stimmen ebenfalls zuversichtlich. Die große Mehrheit der beteiligten Unternehmen erwartet eine gleich-bleibende Geschäftstätigkeit. Auch der Personalbestand soll bei über 80 Prozent der Herbergen, Gastronomen und Reiseagenturen gehalten werden. Mehr als 60 Prozent der Tourismusunternehmen werden voraussichtlich investieren, meist in gleichbleibendem Umfang. Dabei liegt der absolute Schwerpunkt auf Modernisierung/Ersatzbeschaffung. Im Gastgewerbe folgen Maßnahmen zu Kostensenkung, Angebotserweiterung und Umweltschutz, bei den Reiseagenturen Kapazitätserweiterungen und Kostensenkungsmaßnahmen als Investitionsmotive. Auch werden Investitionen in innovative Konzepte genannt.
Aktuell ist besonders die Gastronomie recht optimistisch. Die Einschätzungen liegen über denen der Beherbergung. Fast ein Viertel der beteiligten Gastronomen erwartet eine günstigere Geschäftsentwicklung. Allerdings erhält die Hochstimmung durch den Personal- und Fachkräftemangel Gegenwind. Befragte Unternehmen verweisen auf die speziellen Anforderungen der personalintensiven Branche, wie Wochenend- und Feiertagsarbeit und die zwingende Notwendigkeit einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Negative Auswirkungen auf die Branche haben nach wie vor hohe Bürokratiebelastungen. Vor allem die aufwendigen Dokumentationspflichten stellen ein Hindernis für die gastgewerblichen Betriebe dar.
Als Folgen eines längerfristigen Personalmangels werden  Mehrbelastungen der vorhandenen Belegschaft sowie Angebots- und Öffnungszeiten-Einschränkungen benannt. Der Fachkräftemangel gestaltet sich zunehmend als Wachstumsbremse.
Nach der Umfrage kann derzeit etwa die Hälfte der Beteiligten aus Gastgewerbe und Reisebranche offene Stellen längerfristig (mehr als 2 Monate) nicht besetzen.  Dies sind anteilmäßig mehr Unternehmen als im Vorjahr. Demgegenüber sinkt der Anteil von Unternehmen, die keinen Personalbedarf haben, aktuell auf etwa ein Drittel.
Um den Unternehmen bei der Fachkräftesicherung zu helfen, müssten nach Meinung der Befragten Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung der Region, vor allem des ländlichen Raumes, getroffen werden. Wichtig erscheinen den Beteiligten auch die Stärkung der beruflichen Bildung und die Verbesserung  der Qualifikation der Schulabgänger sowie Angebote zur Kinderbetreuung und Ganztagsschulen. 
Wie eingangs dargestellt, steigt auch das Stimmungsbarometer in der Reisebranche. Im Herbst 2017 liegen sowohl die Einschätzungen zur Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen per Saldo über dem Vorjahresniveau. Über 60 % der beteiligten Reiseunternehmen berichten von einer guten Geschäftstätigkeit im zurückliegenden Sommerhalbjahr. Nur wenige Beteiligte waren unzufrieden.
Als wesentliche Einflussfaktoren auf die Branche werden die weltpolitische Lage mit Unruhen und Unsicherheiten in bisher klassischen Urlaubsgebieten sowie Naturkatastrophen angesehen. Alternative Tourismusdestinationen sind oft nur zu höheren Preisen am Markt platzierbar. Der Personalmangel wirkt sich vor allem bei den Reiseveranstaltern negativ aus. Den Unternehmen fehlen z. B. Busfahrer.
Negativ schätzt die Branche die Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie ab 01.07.2018 sowie die gewerbesteuerliche Hinzurechnung für den „Einkauf touristischer Leistungen“ ein.
Der ausführliche Bericht ist unter folgendem Link abrufbar.