Beschäftigung von Flüchtlingen

Momentan steigt die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen und hier Asyl beantragen, rasant an. Die Erfolgsaussichten des Asylantrags richten sich nach dem Herkunftsland.
Die Potenziale, die Flüchtlinge mitbringen, können auch Unternehmen in der Region Südwestsachsen in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels für sich nutzen. Dies eröffnet den Flüchtlingen gleichzeitig die Chance auf eine schnelle Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft.
Unternehmen, die sich mit dem Gedanken tragen, Asylsuchende bzw. Asylberechtigte zu beschäftigen oder auszubilden, erhalten nachfolgend erste Informationen über die wichtigsten Fakten rund um dieses Thema.
Jobbörsen für Flüchtlinge:
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Praktika für Flüchtlinge

Unterstützung erhalten Sie vom Arbeitsgeberservice der Agenturen für Arbeit und Jobcenter vor Ort. Dort besteht die Möglichkeit den Integrationsprozess im Unternehmen zu fördern:
z.B. Kommit und Step by Step in die betriebliche Ausbildung

1. Wie läuft ein Asylantrag in der Bundesrepublik Deutschland ab?

Asylantrag
Der Asylbegehrende muss persönlich in der Bundesrepublik oder an einer deutschen Außengrenze um Asyl ersuchen. Hierfür kann er sich direkt in einer Erstaufnahmeinrichtung oder in der nächstgelegenen Erstaufnahmeeinrichtung des jeweiligen Bundeslandes melden. Der Asylantrag wird dann in der Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchlinge (BAMF) gestellt, die der Erstaufnahmeeinrichtung zugeordnet ist. Für Sachsen sitzt diese Stelle in Chemnitz (Adalbert-Stifter-Weg 25, 09131 Chemnitz, Tel.: 0371 4901-0). Eine Außenstelle in Leipzig ist geplant.

Anhörung des Asylbegehrenden
Im Anschluss an die Antragsstellung befragt das BAMF den Antragssteller zu seiner Person und den Gründen, die ihn zum Asylgesuch bewogen haben. Dies geschieht bei Bedarf mit Hilfe eines Dolmetschers.
 
Entscheidung
Das BAMF entscheidet über die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis.

2. Welche Unterschiede gibt es beim Aufenthaltsstatus? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Beschäftigung der Personen?

Sofern eine individuelle Arbeitserlaubnis erforderlich ist (abhängig vom Status) muss diese bei der Ausländerbehörde beantragt werden. Sie wird nur für eine spezifische Tätigkeit bei einem spezifischen Unternehmen mit festgelegten Arbeitszeiten und zu üblichem Lohn erteilt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass für Personen, die eine Arbeitserlaubnis benötigen, die gleichen Arbeitsbedingungen gelten wie für Personen mit uneingeschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt.
Im Aufenthaltsdokument ist vermerkt, ob eine Beschäftigung gestattet ist.
Der Antrag muss durch den Arbeitgeber erfolgen. Hält sich die betreffende Person seit weniger als 15 Monaten in Deutschland auf, wird die freie Stelle zudem der Agentur für Arbeit bekannt gegeben, sodass auch andere Bewerber vermittelt werden können. Die Agentur für Arbeit führt dann eine Vorrangprüfung durch, bei der verifiziert wird, ob die Stelle auch durch einen deutschen Staatsbürger, einen EU-Bürger oder einen Ausländer mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis besetzt werden kann. Ist dies nicht der Fall, kann die Arbeitserlaubnis erteilt werden.
Die Vorrangprüfung kann unter bestimmten Voraussetzung auch vor Ablauf des 15-monatigen rechtmäßigen ununterbrochenen Aufenthalts entfallen. Dies ist möglich, falls entweder
  • ein Hochschulabschluss in einem Engpassberuf vorliegt sowie die Voraussetzungen für die Blaue Karte EU erfüllt sind oder
  • eine anerkannte Ausbildung in einem Engpassberuf bzw. die Teilnahme an einer Maßnahme der Anerkennung nachgewiesen werden kann.
Für ein berufsorientierendes oder ausbildungsbegleitendes Praktikum sowie eine staatlich anerkannte Ausbildung wird ebenfalls keine Vorrangprüfung benötigt.
Die Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis erhöht die Chance darauf, dass die Aufenthaltserlaubnis der betreffenden Person verlängert oder ihr eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird, da eine Beschäftigung sowie ausreichende Deutschkenntnisse als Zeichen der guten Integration gewertet werden. Dennoch besteht das Risiko, dass die Aufenthaltserlaubnis des Beschäftigten, je nach Aufenthaltsstatus, erlischt und er in sein Heimatland zurückkehren muss.
Bei Unsicherheiten oder Fragen bezüglich der Einstellung eines Flüchtlings oder zu Beantragung einer Arbeitserlaubnis wenden Sie sich bitte an die zuständige Ausländerbehörde oder die Agentur für Arbeit.

3. Wie und wo können Flüchtlinge an Integrationskursen teilnehmen?

Seit 2005 werden nach §43 AufenthG Integrationskurse für nach Deutschland zugewanderte Personen angeboten. Die Integrationskurse beinhalten zwei Teile: einen Sprach- und einen Orientierungskurs.
Ziel des Sprachkurses ist es, dass die Teilnehmer das Sprachniveau A2 oder B1 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens erlangen. Der Orientierungskurs dient dazu, eine Einführung in die deutsche Geschichte, Kultur, Rechtsnormen und die gesellschaftlichen Werte zu vermitteln. Beide Kursteile werden mit einer Abschlussprüfung beendet. Zusätzlich zu den Standardkursen werden teilweise spezielle Kursarten angeboten, wie z. B. Kurse nur für Frauen, für Eltern oder junge Erwachsene.
Die Integrationskurse werden üblich in Vollzeit angeboten, bei Berufstätigkeit ist jedoch auch eine Teilzeitlösung möglich.
Die Volkshochschulen in Sachsen sind vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) anerkannter Sprachkursträger für Integrationskurse.

4. Wie können Flüchtlinge ein Ausbildungsverhältnis beginnen?

Möchten Sie einen anerkannten Asylberechtigten oder Flüchtling mit Aufenthaltserlaubnis oder einen subsidiär Schutzberechtigten in ein Ausbildungsverhältnis übernehmen, ist dies ohne Beschränkung möglich.
Möchten Sie eine Person mit Abschiebeschutz, einen Asylsuchenden mit Aufenthaltsgestattung oder eine geduldete Person in ein Ausbildungsverhältnis übernehmen, müssen Sie bei der zuständigen Ausländerbehörde eine Arbeitserlaubnis für die betreffende Person einholen. Eine Vorrangprüfung und Zustimmung durch die Bundesagentur für Arbeit ist jedoch nicht notwendig.
Die Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis erhöht die Chance darauf, dass die Aufenthaltserlaubnis der betreffenden Person verlängert wird, beziehungsweise ihr eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird, da dies als Zeichen der guten Integration gewertet wird. Dennoch besteht das Risiko, dass die Aufenthaltserlaubnis des Auszubildenden, je nach Aufenthaltsstatus, während oder nach der Ausbildung erlischt und er in sein Heimatland zurückkehren muss.
Ist der Auszubildende minderjährig, ist sein Aufenthaltsstatus an den seines Erziehungsberechtigten gekoppelt. Nach Erreichen der Volljährigkeit wird sein Aufenthaltsstatus eigenständig betrachtet. Reist ein minderjähriger Asylsuchender ohne seine Eltern ein, bekommt er entweder einen Vormund oder wird als handlungsfähig eingeschätzt. Dann muss er das Asylverfahren selbstständig durchlaufen.
Wenn Sie Ihren Auszubildenden darin unterstützen möchten, Deutsch zu lernen, stehen die speziellen Integrationskurse für Jugendliche oder berufsbezogenen Sprachkurse von BAMF und Europäischem Sozialfonds zur Verfügung (siehe Rubrik zu Integrationskursen).

5. Was ist zu beachten, wenn sich Flüchtlinge selbständig machen möchten?

Für Flüchtlinge, die sich selbstständig machen wollen, gilt die Regelung für Gründer aus Nicht-EU-Staaten. Die Selbständigkeit ist mit einigen Voraussetzungen verbunden und muss bei der Ausländerbehörde beantragt werden.
Die IHK Chemnitz wird von der Ausländerbehörde zur fachlichen Prüfung und Stellungnahme des eingereichten Businessplanes  hinzugezogen. Die Entscheidung über die Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit erteilt die Ausländerbehörde.
Anerkannte Asylberechtigte, die eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 1 AufenthG besitzen, ist die Erwerbtätigkeit gestattet. Diese ermöglicht nach § 2 Abs. 2 AufenthG auch eine selbständige Erwerbstätigkeit. Weitere Informationen zur Unternehmensgründung finden Sie hier

6. Wie und wo können ausländische Berufs- und Hochschulabschlüsse anerkannt werden?

Ausländische Berufsabschlüsse im Bereich der Industrie- und Handelskammern können durch die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) auf ihre Gleichwertigkeit zu deutschen Berufsabschlüssen geprüft werden. Das Anerkennungsverfahren kann auch für Personen, die keinen Nachweis über ihren Berufsabschluss vorlegen können, durchgeführt werden. In solchen Fällen kann die Qualifikationseinschätzung zum Beispiel durch Gespräche oder Arbeitsproben geschehen. Über den Antrag und den Verfahrensablauf können Sie sich direkt bei der IHK FOSA informieren.
Ausländische Hochschulabschlüsse müssen in Deutschland nur anerkannt werden, wenn es sich um einen reglementierten Beruf, wie zum Beispiel medizinische oder juristische Berufe, handelt. Ob es sich um einen reglementierten Beruf handelt, können Sie bei der zuständigen Anerkennungsstelle ermitteln.
Für nicht reglementierte Berufe bietet die Kultusministerkonferenz eine Vergleichbarkeitsbewertung an, die es Arbeitgebern erleichtern soll, die Qualifikation von Bewerbern einzuschätzen
Überblick über die Anerkennung von Berufs- und Hochschulabschlüssen
In Chemnitz existiert zudem die IBAS - Informations- und Beratungsstelle Arbeitsmarkt Sachsen, die zur Anerkennung von ausländischen Qualifikationen und zur beruflichen Integration, z. B. über Qualifizierung, berät:

7. Welche Ansprechpartner gibt es vor Ort?

Zentrale Ausländerbehörde des Freistaates Sachsen
Tel: 0371/45990
E-Mail: post@lds.sachsen.de
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bürgerservice)
Tel: 0911/9436390
E-Mail: Kontaktformular
Chemnitz
Ordnungsamt Abt. Ausländerangelegenheiten
Tel: 0371/4883404
E-Mail: ordungsamt@stadt-chemnitz.de
Erzgebirgskreis
Ausländerbehörde
Tel: 03733/8310
E-Mail: auslaenderbehoerde@kreis-Erz.de                                                       
Vogtlandkreis
Ordnungsamt Abt.
Ausländer- & Asylrecht
Kontakt
Landkreis Zwickau
Ausländerbehörde im Ordnungsamt
Telefon: 0375 4402-24160
E-Mail: auslaender@landkreis-zwickau.de
Mittelsachsen
Ausländer-und Vertriebenenbehörde
Tel: 03731/7993640
E-Mail: auslaenderbehoerde@landkreis-Mittelsachsen.de
Staatsministerium des Inneren
Ausländerangelegenheiten (Bürgerbeauftragter)
Tel: 0351/5643041
E-Mail: buergerbeauftragter@smi.sachsen.de
Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit
Tel: 08004555520 (gebührenfrei)
Kontakt

8. Welche Ansprechpartner gibt es in der IHK Chemnitz?

Flüchtlinge in Ausbildung und Beschäftigung integrieren - Ihre Ansprechpartner in der IHK Chemnitz:
Für Unternehmen:
Für Flüchtlinge:
Für Netzwerkpartner: