Standortzufriedenheit

Bei Breitband, Arbeitsmarkt und Standortkosten drückt in der Region Chemnitz der Schuh - Ergebnisse der Standortzufriedenheitsumfrage von IHK und HWK
In einer gemeinsamen Umfrage haben die Industrie- und Handelskammer Chemnitz und die Handwerkskammer Chemnitz 1.225 Unternehmer aus Handel, Handwerk und Industrie im Kammerbezirk Chemnitz nach ihrer Standortzufriedenheit befragt.
Mangelnder Breitbandausbau schwächt Region
In allen Kommunen, in denen die Befragung durchgeführt wurde, nannten die Unternehmer übereinstimmend die schnelle Internetversorgung als wichtigsten Standortfaktor und äußerten ihre Unzufriedenheit mit dem langsamen Ausbau des Breitbandnetzes.
Standortnachteil zu hohe Steuersätze
Des Weiteren ergab die Umfrage, dass die befragten Unternehmer die Gewerbesteuerhebesätze und das Niveau der Grundsteuer in der Region als zu hoch bewerten. In den sächsischen Kommunen werden im Bundeslandvergleich im Durchschnitt nach Nordrhein-Westfalen die höchsten Gewerbesteuern erhoben. Mit Hebesätzen jenseits der 400, wie es diese in Plauen (410), Zwickau, Chemnitz (jeweils 450) aber auch in Schneeberg (405) gibt, bewegen sich die Kommunen im Vergleich mit ähnlichen Städten in Deutschland weit vorn.
Verkehrsanbindung oft mangelhaft
Bei den Antworten zum Thema Verkehrsanbindung zeigten sich in den Antworten starke regionale Unterschiede: Je weiter eine Stadt von der Autobahn entfernt ist, desto größer ist die Unzufriedenheit mit der Verkehrsanbindung. Abgesehen von der Stadt Chemnitz, wo ein ICE-Anschluss auch für die Unternehmen noch immer ein Thema ist, haben die anderen Regionen im Kammerbezirk die Schiene als Transportweg für Personen und Waren faktisch abgeschrieben. Auffallend dabei: Dort, wo es attraktive Zugverbindungen gibt, wie etwa in Stollberg (Chemnitzer Modell) und Lichtenstein (Citybahn), ist die Zufriedenheit mit den Schienenverbindungen relativ hoch.
Sorgenkind Fachkräftebedarf
Laut Umfrage liegt die größte Herausforderung der Region in den kommenden Jahren in der Bewältigung der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels. Die Unternehmen der Region berichten in der Umfrage wiederholt von Problemen bei der Verfügbarkeit von Fachkräften und Auszubildenden. Auch die Ausbildungsreife der Schulabgänger wird kritisiert. Konkrete Ansatzpunkte zur Sicherung des Fachkräftebedarfs sind die Verringerung der Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss, eine bessere Berufs- und Studienorientierung und die Stärkung der dualen Ausbildung. Gleichzeitig muss die Region attraktiver für Rückkehrer, Zuwanderer und natürlich für die hier lebenden jungen Menschen werden. Dabei spielen auch eine verbesserte Außenwirkung und eine gezielte Standortvermarktung eine wichtige Rolle.
Forderung nach mehr Sicherheit und Ordnung
Auffallend an der Standortzufriedenheitsumfrage ist zudem, dass die Unternehmen relativ oft Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit in den Städten bemängeln. Um die allgemeine Sicherheitslage zu verbessern, wird beispielsweise eine erhöhte Polizieipräsenz gefordert.
Hintergrund zur Methodik der Umfrage
Die Umfrage wurde im März 2014 im Kammerbezirk Chemnitz durchgeführt. Dabei lag der Schwerpunkt auf den Mittel- und Oberzentren der Region. Zudem wurden auch bedeutende Unternehmen in kleineren Kommunen befragt. An der Umfrage beteiligten sich insgesamt 1.225 Unternehmen, davon aus der Stadt Chemnitz 148, dem Erzgebirgskreis 311, dem Landkreis Mittelsachsen 214, dem Vogtlandkreis 260 und dem Landkreis Zwickau 292. An der Umfrage haben entsprechend der Betriebsgrößenstrukturen im Kammerbezirk vor allem Klein- und Kleinstunternehmen teilgenommen. 81 beteiligte Unternehmen beschäftigen mehr als 50 Mitarbeiter. Eine spezifische Auswertung für die einzelnen Kommunen und Städte wurde ab einer Mindestanzahl von 30 Unternehmensantworten durchgeführt. Dies war in Annaberg-Buchholz, Auerbach, Chemnitz, Freiberg, Hohenstein-Ernstthal, Lichtenstein, Marienberg, Oelsnitz (Vogtland), Plauen, Stollberg, Werdau und Zwickau möglich. Darüber hinaus wurden die Unternehmensantworten aus Aue, Schneeberg, Lößnitz und Bad Schlema zusammen als Silberberg ausgewertet.